Sinneswandel

Im Gegensatz zu dem entrückten Leben in Mea She’arim, erscheint mir das muslimische Viertel in der Altstadt wie ein üppiger Jahrmarkt. Neugierig nähere ich mich dem mächtigen Damaskus-Tor, mit seinen spitzen Zinnen, die sich stolz in den klaren, winterblauen Himmel recken. Ich komme mir seltsam geschrumpft vor, wie Alice im Wunderland, und kaum habe ich den Torbogen durchschritten, tauche ich ein in eine fremde Welt.

Erst zaghaft, dann zunehmend begeistert und mit hellwachen Sinnen durchstreife ich den Souk. Ich erliege dem Charme der glitzernden Stoffe und Armreifen, der bunten Keramik, dem Geruch nach frischem Brot und gegerbtem Leder, dem süßlichen Geschmack des Sahlab und dem verschmitzten Augenzwinkern der Händler. Ich bin hoffnungslos verliebt in diesen betörenden Tumult.

Am Abend, als der Sabbat sich dem Ende neigt, strömen die Menschen auch außerhalb der muslimischen Stadtteile wieder hinaus auf die Straßen, als wären sie aus einem langen Mittagsschlaf erwacht. Mit dem letzten Sonnenstrahl öffnen die Bars und Restaurants ihre Türen, und fröhliches Gelächter löst die friedvolle Stille ab.

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