Schwierig zu verstehen

Ich habe noch nie so viele Maschinengewehre gesehen. Vielleicht sollte ich sagen, ich habe noch nie ein Maschinengewehr gesehen, außer vielleicht in den Händen von Arnold Schwarzenegger. Die Tatsache, dass es hier so viele davon gibt, ist nicht weiter verwunderlich, muss der junge Staat Israel doch nach allen Seiten, seine umstrittene Existenz verteidigen. Was mich eher verwirrt ist der Umstand, dass die Maschinengewehre demonstrativ lässig über den Schultern sehr junger Männer und Frauen hängen, als würden sie von Kindesbeinen an nichts anderes mit sich herumtragen.

Die Mädchen behandeln die schwarzen, sperrigen Kolben beinahe wie ein modisches Accessoire, und selbst am Strand, sonnengebräunt und im knapp geschnittenen Bikini, schmiegt sich ein MG locker an die Hüfte. Ich bin mir sicher, eine Prada-Handtasche würden sie mit weniger Stolz vorzeigen. Als ich abends in einer Bar scherzhaft zu einem jungen Israeli sage, er solle auf seine Waffe aufpassen, die neben ihm am Stuhl lehnt, grinst er nur und streichelt über den Abzug: „Das ist mein Baby, die lasse ich nie aus den Augen“. Für mich, die ich aus einem Land komme, das zwei verheerende Weltkriege ausgelöst hat, und seitdem nicht mehr von Krieg sprechen möchte, auch wenn es Truppen nach Afghanistan sendet, ist das schwierig zu verstehen.

Zwei Tage später, in derselben Bar, beobachte ich, wie eine Gruppe Araber an der Eingangstür abgewiesen wird. Meine Stimmung trübt sich, und ich frage mich, ob das allein aus Angst vor Anschlägen geschieht? Am nächsten Tag setze ich mich ins Café Hillel und lese ich mich durch die jüdische und palästinensische Geschichte. Immer wieder wandere ich in Gedanken zurück ins Jahr 1948, als der arabisch-israelische Krieg für Israel die Unabhängigkeit brachte, und damit endlich einen Zufluchtsort für alle Juden, ein Land, das ihnen nicht wieder die Tür vor der Nase zuschlagen würde, wenn Pogrome, Hetzschriften und Deportationen ihr Leben bedrohten. Ich kann nur zu gut verstehen, dass das jüdische Volk nie wieder die Erfahrung machen möchte, dass sich die Welt spaltet, in Länder, in denen sie nicht leben dürfen, und Länder, die sie nicht betreten sollen (Zitat von Chaim Weizmann). Doch ist es gerechtfertigt, gegen ein anderes Volk die Methode der Ausgrenzung, das Mittel der Vertreibung anzuwenden, etwas das einem Selbst schmerzlich widerfahren ist? Für mich, die ich aus dem Land komme, das einst den gelben Stern verordnet hat, um alle, die ihn tragen, zu vertreiben oder zu ermorden, ist auch das schwierig zu verstehen.

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