Was will der Kumpel mit dem Weiberarsch

Kohle schaufeln natürlich. Der Bergbauarbeiter bedient sich einer eher derben Sprache und so wird aus der Schaufel eben der Weiberarsch. Der Vergleich ist nicht weit hergeholt! Einen ziemlich knackigen Po hat die Gute!

Wie man unschwer erahnen kann, befinde ich mich auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Sie war eine der modernsten und schönsten Zechenanlagen weltweit und wurde am 23. Dezember 1986 stillgelegt. Seit 2001 gehören die Standorte Schacht XII, 1/2/8 sowie die Kokerei zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Führung “Kumpel und Kohle” führt einige spannende Fakten und Anekdoten zu Tage. Der Schacht XII ist 1049 Meter tief. Hier haben zeitgleich ca. 5000 Menschen unter der Erde gearbeitet. Pro Tag wurden 15.000 Förderkörbe mit Rohkohle umgeschlagen. Die Arbeitsbedingungen in den 50er Jahren waren unvorstellbar, kein Gehörschutz, kein Kopfschutz, nichts! Die Presslufthammer wogen ca. 13kg, damit wurde 8 Stunden gearbeitet.

Ich muss allerdings zugeben, am meisten bewegt mich das Schicksal von Mücke! Mücke war ein Grubenpferd. Von ihnen gab es zu Zeiten des Steinkohleabbaus ca. 8000 Stück. Sie schufteten jahrelang unter Tage. Einmal unten angekommen, haben sie das Tageslicht nie wieder erblickt und wurden blind! Schluchz!

Urlaub im Pott

Es gab mehrere Gründe, die mich bewogen haben ins Ruhrgebiet zu reisen. Erstens: ein Besuch der Kulturhauptstadt 2010. Zweitens: eine Freifahrt in der 1. Klasse, da ich als Nichtautofahrerin fleißig Punkte gesammelt habe. Drittens (angelehnt an Frank Goosen): historische Fachwerkhäuschen schön finden kann jeder. Aber angesichts des größten europäischen Schrottplatzes in Entzücken auszubrechen, das muss man wollen!

Das stimmt alles, aber noch etwas anderes, viel entscheidenderes hat den Ausschlag für diese Reise gegeben. Bisher habe ich mir Weltkulturerbe-Denkmäler fast nur im Ausland angeschaut (siehe Hello World, Teil 1), dabei haben wir in Deutschland auch einiges zu bieten. Das war der Aufhänger!

Ich bin also mit der Bahn durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal gefahren und hätte beinahe die Loreley verpasst. Der Rhein muss eine enge Schleife um diesen imposanten Schieferfelsen ziehen, der sich ihm da einfach in den Weg stellt. Der Blick von oben auf die Rheinschleifen soll sehr beeindruckend sein. Mir ist es allerdings schleierhaft, wie man einen Campingplatz mitten in diese Aussicht platzieren kann? Damit der deutsche Dauercamper mit einem Blick auf die Loreley in den Schlaf sinkt?

Der Kölner Dom ist mindestens genauso imposant wie die Loreley. Zum Glück wurde hier auf den obligatorischen Campingplatz verzichtet. In der Kulturhauptstadt Essen suche ich die Jugendherberge auf und schaue mir gemeinsam mit ein paar versprengten Reisenden das erste WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft an.