Über die Nagelfluhkette

Unsere Sorge, nach all den Schnäpsen nicht fit zu sein für die Wanderung, war unbegründet. Am nächsten Morgen hatte sich der Nebel gelichtet, der Dunst in unseren Köpfen auch und es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Judith und ich packten unser Proviant ein und machten uns auf den Weg in Richtung Stuiben.

Auf der Nagelfluhkette kraxelten wir bis zum Gündleskopf. Um uns herum erhob sich ein beeindruckendes Bergpanorama und ließ uns alle paar Meter stehen bleiben und die Aussicht genießen. Nach einer kurzen Pause ging es hinunter zur Klause, nein, nicht zur nächsten Eckkneipe, sondern zu dem Flüsschen Klause. Das fröhliche Geplätscher im Ohr marschierten wir zwischen Kiefern, Farn und Wollgras wieder zurück. Acht Stunden waren wir insgesamt unterwegs. Am Abend servierte der Hüttenwirt Kässpätzle! Zum Nachtisch gabs Johannisbeer-Likör.

Bergluft, Marillenschnaps und rassige Hasen

Warum in die Ferne schweifen – Kulturunterschiede, Verständigungsprobleme und hohe Berge gibt es nicht nur in Japan, sondern auch direkt vor der Haustür. Das durfte ich erleben, als ich mit meiner früheren Kollegin Judith zum Wandern ins Allgäu gefahren bin. Schön mit der Bahn, wie es sich gehört, und mit einer satten Stunde Verspätung sind wir um die Mittagszeit in Immenstadt eingetroffen.

Der Wanderweg schlängelte sich direkt hinter dem Bahnhof das Steigbachtal hinauf. Von den wirklich hohen Bergen war weit und breit nichts zu sehen, so tief hingen die Wolken zwischen den Gipfeln. Doch die Stimmung war gut, wir versuchten den Nebel mit der Kamera einzufangen, kehrten in einer Sennerei ein, probierten den Käse und filmten die Kühe.

Wer sich für sein Wanderwochenende ausgerechnet den Vatertag aussucht, der muss damit rechnen, eine lustige Runde betagter Herren in Lederhosen anzutreffen, die das erste Bier bereits am Vormittag eingenommen hat und mittlerweile beim Schnaps angekommen ist. So kamen wir in der Alpe Gund auf den Geschmack einer voralpenländische Hüttengaudi mit allem was dazugehört: Marillenschnaps, Quetschkomode, Löffeln (Drums, nur eben mit Besteck), Lederhosen und sehr einfallsreichen Komplimenten. Wer kann schon von sich behaupten, einmal als “rassiger Has” bezeichnet worden zu sein?