19. September: Kriminelle Energie

Nachdem ich geduscht habe, falle ich wie ein Stein in mein King Size Bed. Ich ueberlege ernsthaft, ob ich den Foehn aus dem Hotel klauen soll. Immerhin bin ich noch zwei Wochen in Kanada und meine Kurzhaarfrisur sieht gefoehnt definitiv besser aus.

Sie machen es einem ja auch einfach. In allen Hotels ist der Foehn normalerweise an der Wand befestigt. Da kommt man erst gar nicht in Versuchung. Mit diesem Gedanken schlafe ich ein….

Am naechsten Tag fahre ich mit Emma und Michela, dem lesbischen Paerchen aus Leeds, nach Tofino. Ohne Foehn!!!

19. September: Kaum zu glauben…

… aber die Sonne kaempft sich durch die Wolkendecke. Das Wasser ist ruhig und langsam hebt sich der Nebel. Wir brechen unsere Zelte ab und paddeln die Johnston Strait weiter hinauf. Das Kanu gleitet lautlos durch das Wasser. Es ist sehr still.

Am Ufer steht ein Schwarzbaer etwas unentschlossen herum, bis er sich schliesslich umdreht und in den Wald verschwindet. Obwohl wir keine Orcas mehr sehen werden, bin ich mit dem Wettergott ausgesoehnt. Am Abend geht es zurueck nach Campbell River.

18. September: Even more rain

Am Morgen ist es immer noch sehr windig, aber trocken (ihr merkt schon, das Thema Wetter laesst mich nicht los). Zeit das grosse Badezimmer mit Meerblick aufzusuchen. Beim Zaehneputzen schaue ich einigen Flussottern beim Planschen zu. Ein Reiher betrachtet stoisch die Wasseroberflaeche. Ein schoener Ort.

Um 10.00 Uhr setzt der Regen wieder ein und wird staerker und staerker. An Kayakfahren ist gar nicht mehr zu denken. Gegen Nachmittag wandern wir ueber eine Landzunge in eine zweite Bucht, um Feuerholz zu holen.

Auf dem Rueckweg versperrt uns auf einmal ein Sturzbach den Weg. Wir waren nicht mal eine Stunde unterwegs und es kommen Wassermassen den Hang hinunter. Es hilft alles nichts, wir muessen mit den Schuhen in den Bach und das Holz ans andere Ufer bringen. Anschliessend halte ich zwei Stunden meine Socken ueber das Feuer. Der Gedanke an eine warme Dusche und ein Bett wird uebermaechtig.

17. September: Just paddle!!!

Bei einer solchen Unternehmung ist die alles und entscheidene Frage: Wie wird das Wetter? Als wir am Morgen von Campbell River nach Telegraph Cove (ein Katzensprung, nur 2 Stunden)aufbrechen, ist es durchwachsen. Aber wie heisst es: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Ich bin optimistisch.

Es dauert etwas bis wir das gesamte Material in die Boote verstaut haben. Immerhin sind wir 10 Leute: eine australische Familie aus Adelaide, ein lesbisches Paerchen aus Leeds, ich und die beiden Guides! Es gibt eine kurze Einweisung – los gehts! Eines impfen uns die Guides ein: “Egal was ist – just paddle”!

Guter Rat! Kaum haben wir die schuetzenden Bucht hinter uns gelassen, schlaegt uns ein starker Wind entgegen. Ich habe das Gefuehl es geht nur milimeterweise vorwaerts. Die Wellen sind sehr hoch und meine Nussschale von Boot wird auf und ab befoerdert. Ich beherzige Jennys Rat und paddle was das Zeug haelt. Ich habe es fast nicht fuer moeglich gehalten, aber wir erreichen alle unser Basislager.

16. September: Weiter geht’s!

Aufbruch nach Campbell River. Ich verbringe vier Stunden im Greyhound Busund zwei Stunden auf der Faehre. Das Wetter ist regnerisch und bewoelkt. Der Greyhound wird seinem Ruf gerecht, kurz vor Campbell River haben wir eine Reifenpanne.

Nach einer Woche im Hostel kommt mir mein Hotelzimmer vor wie eine Suite: Foehn, Fernseher, Badewanne, alles da! Vor mir liegt ein dreitaegiger Kayaktrip in die Johnston Strait. Wir werden in einem Zeltlager uebernachten und jeden Tag aufbrechen, um Orcas zu finden. Hoffentlich!