20. Oktober: Berg der Erleuchtung

An meinem letzten Tag in Kyoto klettere ich auf den Mt Kurama. Klettern ist vielleicht etwas uebertrieben bei 570 Metern, obwohl ich der Schriftstellerin Seishonagon zustimmen muss: ” The road to Kurama is a winding path, at a glance, the distance appears to be quite near, but it is quite far.” Im Tempel Kurama findet man Sonten. Er symbolisiert Kraft und Lichtund bringt neue Energie!

Spirituelle Energie hin oder her, an diesem Tag ist das Wetter herrlich, angenehm frisch und es riecht nach Herbst. Beim Abstieg nach Kibune habe ich eine Erleuchtung und beschliesse am naechsten Tag nicht nach Tokyo zurueckzukehren, obwohl ich die Stadt unbedingt einmal ohne Taifun erleben wollte.

Voller Energie kehre ich ins Hostel zurueck, storniere die Unterkunft in Tokyo und reserviere einen Zug nach Takayama. Morgen geht es in die Berge!

19. Oktober: Kyoto-Protokoll

Ich war insgesamt 8 Tage in Kyoto, davon die ersten Naechte in einem Hotel, daraufhin folgte ein kurzer Aufenthalt in einem ryokan (trad. jap. Gasthaus) und zu guter Letzt war ich im j-hoppers Hostel untergebracht.  In der Disziplin Tempel-Besichtigung habe ich mich deutlich gesteigert. Ich glaube, so fit war ich schon lange nicht mehr ;-) . Mit der Zeit wurde ich auch mutiger und habe mir  Doerfer und Tempel ausserhalb von Kyoto angeschaut und kleine Wanderungen unternommen.

Wenn ich genug von meinen Sightseeing-touren hatte, bin ich durch die Gassen von Sanjo/Shijo geschlendert. Die vielen Cafes, Restaurants, Boutiquen und Antiquitaetenlaeden (samt Inhalt) sind zum Niederknien. So schoen!! Abends – vorausgesetzt meine Fuesse haben noch mitgemacht – war ich mit Couchsurfern und/oder Leuten vom Hostel in den Bars von Gion unterwegs.

Kyoto ist eine Reise wert!! In dieser Stadt kann man so viel entdecken. Sehr zu empfehlen:  j-hoppers (20 Euro die Nacht), sehr familiaeres, sauberes Hostel.

18. Oktober: Read!!!

Essen in Japan ist ein Abenteuer fuer sich.  Die kleinen Restaurants und Sake-Bars, die viele Japaner nach der Arbeit aufsuchen, haben in der Regel keine englische Speisekarte. Auch die sehr bemuehte, hilfsbereite Bediehnung kann oft kein Englisch. Wenn man Glueck hat,  gibt es ein paar Fotos oder taeuschend echte Nachbildungen der Gerichte zur Auswahl. Falls nicht, nimmt man am besten das, was der Nachbar bestellt hat oder das billigste auf der Karte. Bei einem Fehlgriff, war’s wenigstens nicht so teuer.

Sehr einfallsreich dagegen war folgende Nachricht auf der Speisekarte: “READ!!! The master of this restaurant speaks absolutely no english. If you have problems with the menue, please call the following number…. I’d be right there. Thanks!”

Die skurrilste Geschichte haben mir zwei Deutsche erzaehlt. Sie sind in Tokyo in einem Restaurant gelandet, das ausschliesslich Aal serviert. Eine Spezialitaet des Hauses ist das noch schlagende Herz der Tiere!

13. Oktober: Heute keine Tempel!

Heute steht bei mir zur Abwechslung  mal etwas ganz anderes auf dem Programm: ein Besuch beim Frisoer!! Das wird ein kleines Abenteur, denn Taka kann nur sehr wenig Englisch. Aber ich zeige ihm ein Bild auf meiner Kamera, wie ich vor 6 Wochen aussah. Er sagt ” I understand”, und legt los!

Schon beim Haarewaschen bekomme ich eine kraeftige Kopfmassage verpasst. Hoffentlich massiert Taka nicht alle meine Haare vom Kopf.  Beim Schneiden verwendet er eine Spezialschere und duennt die Haare aus, damit der Schnitt besser zur Geltung kommt. Im Prinzip habe ich nichts gegen dieses Vorgehen, aber diesmal bin ich etwas besorgt. Unglaublich, wieviel Wolle er da von meinem Kopf holt. Ich hoffe instaendig, dass er noch etwas uebrig laesst.  

Doch mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden! Die Haare sind wieder kurz – Foto folgt!!

12. Oktober: Von der Schwierigkeit Gaerten zu fotografieren

Ich kann nicht aufhoeren, diese Gaerten anzuschauen, aber mir ist bisher leider noch kein wirklich gutes Bild gelungen. Es ist fast unmoeglich, die Schoenheit dieser Miniaturlandschaften einzufangen. Vielleicht fehlt auch einfach nur das leuchtende Rot? Die Laubfaerbung beginnt im November. Nunja, wenn man mit der Linse ausholt, wird alles plakativ und kleinteilig. Fotografiert man ein einzelnes Objekt, fehlt der Gesamtzusammenhang. Wahrscheinlich kann ich nur die Erinnerung  daran mitnehmen.

Auf meinen Spaziergaengen habe ich Begleitung bekommen. Kate lebt seit 13 Jahren in Japan und ist dieser Sprache maechtig. Endlich kann ich mir in einem der Tempel ein Schicksals-Zettelchen kaufen. Auf der Gluecksskala von 1 bis 8 bin ich auf Platz 6!! Nur beim Reisen soll ich aufpassen. Was soll das denn heissen? Das ist meine Hauptbeschaeftigung im Augenblick.

10. Oktober: Kyoto-Dreikampf – Tempel, Schrein, Garten

In Kyoto gibt es 1600 erhaltene Tempel und 270 Shinto-Schreine.  Wo fange ich bloss an? Ich weiss genau, dass es falsch ist, aber am ersten Tag laufe ich 8 Stunden durch die Stadt, von einem Tempel, von einem Schrein und einem Garten zum naechsten. Ich bin so beeindruckt, dass ich sogar das Essen vergesse.

Am Abend kann ich mich nicht mehr bewegen! Das grenzt an Hochleistungssport, wenn man bedenkt, wieviele Treppen diese Tempel zum Teil haben.  Das ging definitiv ueber meine Leistungsgrenze, morgen mache ich langsamer.