8. Oktober: Kanda – Welt der Buecher

Am Vormittag leihe ich mir im Hotel ein Notebook aus und mache es mir in meinem Schuhkarton gemuetlich. Draussen zieht der Taifun vorbei bzw. dessen Auslaeufer. Gegen 11.00 Uhr ist der Spuk vorbei und es kommt sogar die Sonne zum Vorschein.

Auf meinen speziellen Wunsch hin – ich bin eben doch immer Buchhaendlerin geblieben - zeigt mir Yuki am Nachmittag das Stadtviertel Kanda. Hier haben Japans Verlage ihren Sitz, ausserdem gibt es jeder Menge Second-Hand-Buchhandlungen. Ich finde sogar deutsche Buecher!

Yuki hat eine kleine Ausstellung ausfindig gemacht. Die private Sammlerin hat in ueber 10 Jahren viele Lyrikbaende des Eureka-Verlages zusammengetragen. Jeder Einband ist ein kleines Kunstwerk. Sie zeigt uns einzelne wertvolle Exemplare. Kleine Eigenheit des Verlegers: es wurden erst die Paperbacks herausgebracht und dann die Hardcover! Also ich finds interessant!!

Am Abend moechte ich eigentlich noch auf den Tokyo Tower, aber meine Fuesse streiken!

7. Oktober: Fashion week

Die maennlichen Leser koennen getrost zum naechsten Eintrag springen, ich komme jetzt zu einem Thema, das in Tokyo unumgaenglich ist: Fashion & Style! Gucci, Prada, Fendi und Chanel haben in jedem Stadtteil eine Filiale, vielmehr einen Tempel. Einen Mode-Tempel!! Die grossen Namen sind ueberall praesent und sie haben dankbare Abnehmerinnen.

Die Japanerinnen sind unglaublich gut angezogen, mit viel Mut zur Extravaganz und eigenwilligen Kombinationen. Die ganze Stadt ist ein einziger Laufsteg (Drama, Baby, Drama!!). Heidi Klum’ s Maedels sehen da eher blass aus. Es stimmt einfach jedes Detail, von der Haarspange, ueber die Handtasche bis hin zum Handy-Accessoire. Die Fingernaegel der jungen Maedchen sind Kunstwerke. Die Farbe des Nagellacks passt zum Handy!

Mein Shoppingversuch scheitert gleich zu Beginn. In Groesse M passe ich zwar hinein, aber an den Armen ist alles zu eng. Medium ist die groesste Groesse, danach gibt es nichts mehr. Auch gut, spart Geld!

In Stadtteil Omotesandu treffe ich Kana Umeda. Sie designed Schmuck aus Glas (www.sci-fi-box.com) und hofft irgendwann ganz davon leben zu koennen. Sie bringt mich  zu einem kleinen, traditionellen japanischen Lokal, das ich so nie gefunden haette (und falls doch, ganz untalentiert bin ich ja nicht ;-) , haette ich nichts bestellen koennen). Ganz im Gegensatz zum Gucci-Glimmer, ist dort alles schlicht: dunkle Holztische, Tatamimatten, gedaempftes Licht und wunderschoene Keramik.

6. Oktober: Lost in transportation

Am Spaetnachmittag, noch vor der Rush-Hour, mache ich mich auf den Weg nach Shinjuku. Oestlich des groessten Bahnhofs der Welt liegt eines der bekanntesten Vergnuegungsviertel von Tokyo. Ich bin dort mit Daisuke verabredet, einem weiteren Couchsurfer. Er trifft sich mit Freunden in einem Restaurant und nimmt mich mit.

Unser Treffpunkt ist das “East Ticket Gate der JR-Linie”. Als ich in Shinjuku ankomme, habe ich ernsthafte Zweifel, ob ich das jemals finde. Ich entdecke das South Gate, das West Gate, aber kein East Gate?? Etwas ratlos irre ich umher. Ein paar vorbeieilende Passanten versuchen mir zu helfen, aber die Verstaendigung klappt nicht.  Irgendwie schaffe ich es schliesslich doch, keine Ahnung wie! Der Abend mit Daisuke und seinen Freunden wird sehr nett.

Auf dem Rueckweg steige ich allerdings in die falsche U-Bahn und muss schliesslich mit dem Taxi ins Hotel zurueckfahren.

5. Oktober: Von Kopf bis Fuss auf Regen eingestellt

Ich habe noch nie so viele Regenschirme auf einmal gesehen. Taifunauslaeufer bestimmen aktuell die Wetterlage  in Japan, d.h. es regnet unaufhoerlich. Am Donnerstag soll es am schlimmsten werden, danach ist Besserung in Sicht.

Die Japaner nehmen’s gelassen, die Stadt ist bestens auf Dauerregen eingestellt. Regenschirme und Gummistiefel gehoeren zur Grundausstattung und die Fahrraeder verfuegen ueber eine entsprechende Halterung. Vor den Geschaeften in der Ginza werden die Schirme in eine Plastikfolie gesteckt, selbst die Einkaufstueten bekommen eine schuetzende Huelle (ueber den Umweltaspekt denkt man besser nicht nach).

Am fruehen Nachmittag gehe ich mit Yuko – passend zum Wetter – auf den beruehmten Fischmarkt in Tsukiji. An einem der vielen Sushi-Staende essen wir zu Mittag. Sie gibt mir viele praktische Tipps, zum Beispiel erklaert sie mir das U-Bahn System.